Lage und kurze Geschichte von Tinos

37.33 Nord 25.08 Ost. Nachbarinseln von Tinos sind Mykonos im Osten, Delos im Süden, Syros im Südwesten und Andros im Norden. Daneben bestehen regelmäßige Schiffverbindungen nach Paros, Naxos, Amorgos, Santorin und mehrmals täglich zu den attischen Häfen Rafina und Piräus.

Tinos ist ca. 30 km lang und 10 km breit und hat rd. 9.000 Einwohner in rund 50 Dörfern.
Der Name Tinos stammt wahrscheinlich aus vorgriechischer Zeit von dem phönizischen Wort “Tannoth”, Schlange. In griechischer Zeit hatte sie den Beinamen “Ofiousa” (Fidi = Schlange) wegen der vielen Schlangen, die Poseidon, der Beschützer der Insel ausrotten half (was nicht ganz stimmt: es gibt noch Schlangen). Andere Beinamen waren Ydrousa, die wasserreiche,was heute nicht mehr der Fall ist, und Insel des Äolus wegen der schon damals starken Nordwinde.


Durch die frühen Jahrhunderte siedelten nacheinander Pelasger, Ionier, Makedonier, Ägypter und Römer auf Tinos. Erste Siedlungen sind bereits im Neolithikum nachgewiesen.


480 v. u. Z. verhalf die tiniotische Triere des Panaitios den Griechen zum Sieg von Salaminas. Sie gehörte zur persischen Flotte, verließ diese unbemerkt am Vorabend der Seeschlacht, vereinte sich mit der griechischen Flotte und verriet den Griechen die Pläne der Perser. Daher ist der Name “Tinos” in dem Dreifuß eingraviert, der nach dem Sieg im Orakel von Delphi aufgestellt wurde.

In byzantinischer Zeit gehört Tinos zu Griechenland und erlebt wiederholt Überfälle der Sarazenen. 1204 gerät Tinos unter die Herrschaft der Venezianer, anfangs als Besitz der Familie Ghisi und später bis 1715 unter der direkten Verwaltung der Republik. Die lang-jährige Anwesenheit der Venezianer hat den Charakter von Tinos stark geprägt, sowohl gesellschaftlich durch die Entwicklung eines ganz eigenartigen Feudalismus, als auch religiös, heute noch erkennbar an vielen katholischen Gemeinden und einem katholischen Bischof. Tinos war Zufluchtsort auf dem Festland verfolgter Griechen.
1715 nahmen die Türken nach vielen mißglückten Versuchen die Insel ein. Tinos konnte
von günstigen Voraussetzungen profitieren. Es hatte eine Selbstverwaltung, entwickelte
den Transithandel und das Kunsthandwerk und stand in ökonomischer Blüte. Besonders in der Marmorbildhauerei machte sich Tinos einen Namen als bedeutendstes Zentrum in Griechenland mit Familien, die diese Kunst pflegten und weitergaben und Griechenland, Kleinasien und den Balkan bereisten. Marinierte Täubchen aus Tinos sollen auf den
Basaren Konstantinopels eine gefragte Delikatesse gewesen sein.


1774 tauchte plötzlich eine russische Flotte auf der Insel auf in Zusammenhang mit Orlows antitürkischem Einfall ins Mittelmeer, was allerdings folgenlos blieb. Am 31. März 1821 gab das Dorf Pyrgos als erstes auf den Kykladen das Zeichen zum Aufstand gegen die Türken. Die Hauptstadt Tinos folgte im April. Am 30 April 1823 “wurde aus der Tiefe der Erde die Heilige Ikone gehoben und kündigte die Freiheit Griechenlands an”. Die Ausgrabung der wunderwirkenden Ikone der Gottesmutter auf Grund eines Traumes der Heiligen Pelagia machte die Insel zum bedeutendsten Wallfahrtsort der griechischen Orthodoxie.


Am 15. August 1940, am Tag des großen Marienfestes tropedierte ein itlienisches U-Boot den griechischen Zerstörer ELLI, der vor dem Hafen auf Reede lag. Daraufhin verhalf die beleidigte Gottesmutter den griechischen Waffen in Albanien gegen die Italiener zum Sieg.


Heute ist Tinos ein Ort der Heilserwartung, wo der Glaube lebendig ist. Es ist auch eine Landschaft mit vielen Schönheiten und traditionellen Dörfern, die zu entdecken sich lohnt.
Es ist die Heimat vieler (nicht mehr ganz) zeitgenössischer griechischer Bildhauer und
Maler und vieler anonymer Meister, die ihre Spuren in Kirchen, Häusern und Taubenhäusern hinterlassen haben.